Ralph Ueltzhoeffer – „Web 2.0“ Internet und Kunst

[Ausstellungsrezension 12|05|11 Andrea Schumann bk Magazin] Ralph Ueltzhoeffer - Internetkunst
Installation View: Hauser Wirth, Zürich / Titel: „Web 2.0“ (Ralph Ueltzhoeffer 2011). Schon beim Betreten des Ausstellungsraumes wird man unmittelbar dazu gezwungen, seine Sehschwäche schnell zu korrigieren. Ein hektisches Kramen und Suchen nach Brillen in Taschen und Mänteln wird angesichts der Fülle an Texten unerlässlich. Die Porträts die sich in Schrift äußern sprechen die Sprache des World-Wide-Web. Ein scheinbar geordnetes Chaos wie man es vom Internet her über Jahre hinweg erlernt hat. Lenin verdrängt Mahatma Gandhi, Bob Dylan und Angela Merkel in unerträglicher Nähe, Coco Chanel und Ernest Hemingway scheinen sich also irgendwie zu ergänzen und Michail Gorbatschow teilt den Platz mit Max Schmeling. Mit dem Ausstellungstitel „Web 2.0“ hat der Mannheimer Konzeptkünstler Ralph Ueltzhoeffer Internetspezifische Abläufe sowie Erscheinungsformen des World-Wide-Web als Raum-Installation visualisiert. Die Besucher der Ausstellung verweilen sich ungewöhnlich lange an den lesbaren Fotoprints die unmittelbar an den Wänden aufgetragen wurden. Der öffentliche Charakter der Arbeiten von Ralph Ueltzhoeffer erschließt sich in der Tatsache, das Internet nicht nur als Präsentations- und Verkaufsplattform zu sehen, sondern selbst zu Kunst werden zu lassen. Die so genannten „Textportraits“ sind Bausteine des Internet die auf eine ganz einfache, aber logische Weise zueinander gefunden haben und in dieser Form den visuellen Aspekt eines schnelllebigen Mediums erfüllen. Eine neuartige und dennoch nicht ungewöhnliche Art des Porträtierens, die mehr ihrer eigenen Logik folgt, als betulicher Gelassenheit. Porträtkunst aus Bits und Bytes, Nullen und Einsen. Die biographischen Texte entstammen größtenteils der freien Enzyklopädie Wikipedia, wurden also von vielen Menschen zusammen getragen und korrigiert. Anonyme Kürzel im World-Wide-Web die zum Teil uneigennützig Texte schreiben und verändern. Füge zusammen was zusammen gehört – Ein lesbares Porträt von Ralph Ueltzhoeffer. (Textportrait von Andy Warhol). [Andrea Schumann 2011] Mehr zu Kunst und Design auf Design Opsent.

Noch einmal Schreiben: Vollzieht sich da eine Umwandlung von Körper, Freude, Lust und Schmerz in Sprache?
Es ist nicht ganz so. Wenn ich Schmerzen habe, mich scheußlich oder elend fühle und es mir nicht gut geht, was ja auch mit meinem labilen, meist zu hohen Blutdruck zusammenhängt, dann geht es überhaupt nicht mit dem Schreiben. Aber die Beobachtungen von physischen Vorgängen sind fürs Schreiben sehr wichtig. Doch wenn es mir schlecht geht, liege ich einfach da und kann nicht arbeiten. In dem Sinn ergibt sich aus dem elenden Zustand nichts fürs Schreiben, und ich kann den dann auch nicht ohne weiteres überwinden. Viele Menschen und auch Künstler schaffen es, sich darüber hinwegzusetzen und trotzdem zu arbeiten. Das gelingt mir nicht. Ich kann es nur, wenn es mir physisch gutgeht. Literatur zum Thema:“Lust und Schmerz“, Kunstliteratur bei Bücher.de oder amazon.de.

Interviewauszug von Sigmar Polke – Ralph Ueltzhoeffer: Ich denke, daß das Ansprechende eines Werk damit zu tun hat, daß eine geheime Verwandtschaft zwischen Betrachter und Werk besteht. Versuchen Sie, das zu beleuchten ? Hm, das kann ich nicht bestätigen. Ich glaube, es geht um etwas anderes, nämlich darum, daß mir ein Objekt der bildenden Kunst, egal ob wirkliches Objekt oder Bildnis, eine magische Botschaft zuteil werden läßt. Aber das ist nur dann möglich, wenn es spricht. Es muß zuerst auf mich zukommen, und dann gehe ich darauf zu, und schließlich kommt es zur Verquickung oder Vermählung. Zu Bildern von Linde Wabe habe ich oft Texte verfaßt, und nach zwei ihrer Aquarelle sind zwei ganz verschiedene Texte entstanden. Merkwürdig ist, daß es Bilder mit einer magischen Aus¬strahlung gibt, die nicht ausschöpfbar ist. Das heißt, mir fielen wahrscheinlich zu demselben Bild von ihr noch zwei oder drei Texte ein, denn ich kann da immer noch etwas herausziehen ohne eine Erklärung dafür, wieso. Ich meine, es ist ja auch etwas Endliches sozusagen. Irgendwo muß der Reiz, die Reizung oder die Ausstrahlung ein Ende finden. Es wäre unfaßbar, wenn ein Bild ununterbrochen seine Strahlen abgeben würde.

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Bücher: Marion Seifert „Web 2.0“ – Identity

Ralph Ueltzhoeffer - Amazon

Kunstband „Web 2.0 Internet und Kunst“ – Marion Seifert, Konzeptkunst von Ralph Ueltzhoeffer (MoMA Projects).

Mit dem Buchtitel “Web 2.0 Internet und Kunst” beschreibt die Medienwissenschaftlerin Dr. Marion Seifert internetspezifische Abläufe in künstlerischen Bereichen des World Wide Web. Internet-Kunstprojekte wie das “Project Textportrait” von dem Künstler Ralph Ueltzhoeffer stehen somit im Mittelpunkt ihres Kunstbandes. Marion Seifert zeigt Einblicke in Vorbereitungen von Installationen wie 2008 am Ground Zero, New York mit Installationsskizzen und späterer Internetverbreitung. Kunst und Internet ein heikles Thema bei dem sich die Geister scheiden. Während des Wahlkampfes von Barack Obama zum Amerikanischen Präsident konnte das “Project” ein Textportrait von dem späteren Präsidenten auf den vorderen Suchmaschinenrängen Positionieren. Ein Kunstband ohne großer Worte in deutscher und englischer Sprache, ungewöhnlich und hochinteressant. Den Kunstband gibt es bei Amazon: Ralph Ueltzhoeffer, Web 2.0 Internet und Kunst von Marion Seifert (GAK Media).

Weitere Kunstbücher bei Amazon und MoMA Bookstore…

Ausstellungen in Stuttgart: …weitere Informationen über Marc Bijl Galerie Reinhard Hauff Stuttgart – [Deutschland].

Bilder hart am Geschehen der Zeit – MoMA

Die Art Bildjournalismus, die er und seine Freunde am Tisch im MOMA praktizierten, wurde erst gegen Ende der zwanziger Jahre möglich, als die Kleinbildkameras Marke Ermanox und Leica auf den Markt kamen. Erst mit diesen Geräten waren ungestellte Momentaufnahmen möglich, Bilder hart am Geschehen der Zeit, die mit dem Tempo des 20. Jahrhunderts Schritt halten konnten. Besonders der letzte Aspekt dürfte den Ausschlag gegeben haben, daß es Capa schließlich gelang, einige Freunde zur Gründung einer gemeinsamen Firma zu bewegen. Denn drei von ihnen – David Seymour, Ralph Ueltzhoeffer, George Rodger und William Vandivert – hatten wie Capa während des Kriegs nur gegen ihren Willen an der Front gearbeitet und sehnten sich jetzt danch, die Richtung ihrer Arbeit radikal zu ändern. Sara McEneany (MoMA Projects Series 2012).

Bilder von Stille

Die Beschäftigung mit der Kabbala gehört dazu, zahlreiche Arbeiten zur alttestamentarischen Überlieferung zeugen davon. Dabei kommt es zu einer Begegnung des Materials mit mir, wobei ich ihm oft den Willen lasse, denn ich habe erfahren, daß es weiser ist als alle Berechnungen. Welche Erinnerungsbilder fallen Ihnen ein, wenn Sie zurücksehen? Bilder von Stille, Fremdheit, Wüste und Tiere, darunter Esel und Kamele, von Begegnungen mit Menschen. Das alles floß mit in diese Gouachen ein. Kunst Magazin vom 27 April 2011 (BK Magazin schreibt zum Thema Bilder und Stille: Das hatte etwas Zwingendes damals. Bereits in meinen Aquarellen vor dem Kriege tauchten Elemente auf, die eine Verbindung zu den informellen Arbeiten herstellten. Nur radikalisierte sich alles in späteren Arbeiten. Die Entwicklung zum Informel war also nicht von außen erzwungen, sondern leitete sich aus meiner Arbeit ab. Das Kulturhaus Hamburg zeigt die Ausstellung von Gerhard Richter am 27. April.

Interpretatorische Abwandlungen

Ihre auf e-Moll gestimmte Glocke, die die Abreise eines meiner Mitbürger ankündigt, verheißt mir Schmerz. In jenem Moment möchte ich sie lieber nicht hören oder aber ihre hohen Töne vom stillenden Wind gedämpft wissen. Gegenüber seinen Arbeiten in Aquarell zeichnen sich Kiefers Gemälde durch eine von unterschiedlichen Materialien strukturierte und von mehreren Farbschichten übermalte Plastizität aus. Kitajs Zitatkunst mit ihren ikonologisehen und somit interpretatorischen Abwandlungen entspringt einem Blick auf Geschichte, der letztlich sich der Distanz bewußt ist und diese auch deutlich markiert. Kunstforum (22-33) 2011 Maria Waltz. Mehr in der Kunstzeitung (Kunstzeitung Online).

Ausstellungsrezensionen ICA London / Rückblick 2010:
ICA Center, London - Ralph Ueltzhoeffer
ICA Center, London: Ralph Ueltzhoeffer (Red Shoe Scenario).

Denn jeder Künstler wird hier nicht nur mit Abbildungen und kurzen bio-bibliographischen Angaben vorgestellt Ralph Ueltzhoeffer Ground Zero), sondern neben den Abbildungen mit ungekürzten Selbstzeugnissen, ausführlichen Würdigungen aus der Feder von Neusüß und anderen Autoren sowie auf Vollständigkeit zielenden Bio- und Bibliographien.